Vogalonga 2017

von Ulrike Beuther Teilnahme an der 43. Vogalonga - Pfingsten 2017

Teilnehmer: Charlotte Bader, Ulrike Beuther, Anke Brednich, Armin Frank, Bernd Hardy, Andrea Huber, Friedrich Klatt, Renita Manzl, Markus Sugg, Rolf Tränkle

Logbucheintrag Kapitän Rolf, Sternzeit 02.06.2017 (Freitag), 6:30 Uhr: Der VW-Bus, bepackt mit allem, was nötig ist und 6 Fahrgästen, ist mit dem Anhänger und den Booten „Reichenau“, „Radolfzell“ auf dem Weg nach Venedig. Das zweite Fahrzeug mit vier Insassen ist als Vorhut vorausgefahren.

Mein Name ist U.B., Schreiberin des Berichtes für die Undine. Ich stamme von einem Sternensystem am anderen Ende der Galaxie. Meine Absichten sind friedlich, ich soll den Bericht schreiben.

Die Fahrt mit drei Pausen war recht kurzweilig. Es herrschte eine ausgelassene Stimmung an Bord. An der ersten Kaffee-Raststätte am Bernina Pass sind auch die Ruderfreunde von „See-mal-Rhein“ angerollt. Doch wir waren bereits 1 Std. eher da. Nachmittags gegen 16 Uhr standen wir vor dem Ziel: "Camping Fusina" , ein großer Campingplatz mit viel Platz für Anhänger, Boote, Kajaks usw. mit einem Zugang zum Meer, d.h., die Boote konnten ins Wasser getragen werden. Wir waren nicht die einzigen, die an der Vogalonga teilnehmen wollten!

Die Vorhut half beim Finden der zwei Mobile Homes und beim Auspacken. Es gab jeweils eine „Hütte“ für Männer/Frauen. Abends saßen wir im Restaurant im Freien und waren recht glücklich über die Lage, die singenden Jugendlichen, den Lärm, die Getränke und auch über die erste italienische Pizza.

Wir hatten das Glück, dass unsere Mobile Homes etwas abseits,  jedoch zusammen standen. Die Autos konnten direkt nebenan geparkt werden. Es war im kleinen Garten sogar Platz für Tische und Stühle. Wann immer es möglich war, saßen wir draußen zum Frühstück, Kaffee oder Abendessen. Friedrich hat sogar Kerzen in den italienischen Farben mitgebracht, was sehr romantisch war, jedoch die Schnaken nicht vom Stechen abhielt.

Das Highlight am ersten Morgen war natürlich das Frühstück im Garten - mit allem Pi-Pa-Po.

Der Morgen des Pfingstsonntags, der Tag der 43. Vogalonga: Es gab ein kurzes Frühstück. Um 6:45 Uhr wurden unsere Boote „Reichenau“ und „Radolfzell“ ins Wasser gesetzt. Mit uns wollten auch Hunderte weitere Ruderer bzw. Kajakfahrer starten! Allerdings konnten nicht mehr als 2 Boote gleichzeitig die Rampe hinunter getragen werden.

Startschuß war um 9 Uhr. Wir wollten pünktlich sein. Wir ruderten in den Bacino di San Marco vor dem Markusplatz. Jede Menge bunte oder originell gestaltete Boote (Kirchboote, Kajaks, Drachenboote, Stand-Up-Paddler, etc.) mit bunt gekleideten Ruderern, Fahnen, Galeerentrommeln, oder auch Musik an Bord, waren schon an der Startlinie. Die Strecke der Vogalonga ist mit 30 km angesetzt. Start und Ziel ist der Markusplatz. Wenn hier um 9.00 Uhr die Kanone zum Start donnert, und die Glocken des Markusdoms läuten, ist Gänsehautfeeling garantiert. Danach setzen sich die Boote zwischen Bacino di San Marco und dem Canal Giudecca in Bewegung. Über den Canal di San Marco geht es vorbei an den Inseln Vignole und Sant'Erasmo. An der Insel Burano knickt der Kurs nach links ab und führt nach längerer Fahrt durch die Lagune in den Kanal der Glasbläserinsel Murano. Über den Canal Grande und unter der Rialtobrücke hindurch, geht es zurück zum Markusplatz. Die Strecke führt sowohl mit als auch gegen die Strömung. Gleich verhält es sich mit dem Wind. Eine Abschätzung der Dauer hängt also stark von den Ruder- bzw. Paddelfähigkeiten, der Kondition und vom Bootstyp ab.

2017 waren 2000 Boote am Start. Die Fahrt mit den vielen Booten gestaltete sich oft schwierig, um nicht mit den nachfolgenden oder vorausfahrenden Booten zu kollidieren. Der eine oder andere Zusammenstoß blieb natürlich nicht aus. Dabei habe ich unserer Mannschaft eingetrichtert: Keine Gnade! Keine Gefangenen! Nicht aus der Spur bringen lassen! Richtig eng wurde es im 30-70m breiten Canal Grande. Wir kamen nur noch im Rudertempo "ohne Kraft" voran, was aber nicht schlimm war. Schliesslich wollten wir das eindrucksvolle Panorama genießen., Fotos machen und den applaudierenden Schaulustigen am Ufer zuwinken. Wann hat man schon die Gelegenheit, durch diese besondere Wasserstraße zu rudern? Eben nur einmal im Jahr, am Pfingstsonntag, an allen anderen Tagen des Jahres ist der Canal Grande ein Gewimmel aus Vaporettos, Wassertaxis und Gondeln. Es wäre ein Selbstmordkommando, dort mit einem Ruderboot hindurch zu fahren. Dennoch lief es nicht ganz ohne Probleme: Durch die Kollision mit einem Kirchboot hat die „Radolfzell“ das Steuer verloren. Die Mannschaft des Kirchboots konnte es glücklicherweise wieder einsetzen. Am Ziel gab es eine Medaille und ein Diplom. Wenn man Glück hatte, erkannte der Sprecher die Startnummer und begrüßte und beglückwünschte die Ruderer namentlichüber Mikrofon. Unsere Namen konnte ich leider nicht vernehmen. Es wurde auch – wenn man sich sich einreihte - Verpflegung ins Boot geworfen: Bananenstrunks und Getränke. Über diese unerwartete Gabe freute sich unsere entkräftete Bootbesatzung. 

Am Ende galt es, dem Gewühle sicher zu entkommen. Mittlerweile war der Wind aufgefrischt, die Motorboote durften wieder fahren und wir mussten noch über die Wasserstraße Canal di Fusina zum Campingplatz. Die Ruderer waren am Ende ihrer Kräfte. Die Sonne war kaum zu ertragen, der verlängerte Rücken schmerzte, die Hände waren wund, hatten Blasen und der Rückweg wurde länger statt kürzer! Andrea hatte ein Navigationsgerät am Handgelenk, welches in "Camping Fusina" 45 km anzeigte! Ohne die halbstündige Pause in Burano waren wir alle rund 8 Std. im Boot.

Friedrich, der Superkoch, kredenzte uns ein weiteres, leckeres Abendessen im Garten. Nach der ganzen Strapaze ließen wir den Abend mit der Gewissheit, dass alles gut ging, mit Essen, Wein, Bier und Keksen ausklingen. 

Logbucheintrag Kapitän Rolf, Sternzeit 06.06.2017 (Dienstag): Rückfahrt nach Radolfzell. Pünktlich um 7:59 h saßen 6 Teilnehmer im Bus. Die Nachhut - Ford mit 4 Personen - hat durch das Ausschecken etwas länger gebraucht. Sie hat aber am Luganer See mit Hupen den VW Bus überholt und sich von uns verabschiedet.

Wir trafen uns alle gegen 18 h im strömenden Sommerregen und kühlem Wind auf dem Bootsplatz der Undine, um die Boote abzuriggern, vom Salz zu befreien und alles zu versorgen.

Klingonisches Sprichwort: Nach der Vogalonga ist vor der Vogalonga.

Text und Fotos: Teilnehmer der Vogalonga 2017

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